Lieder aus Amsterdam

Die liturgische und kirchenmusikalische Landschaft der Niederlande wurde während der vergangenen fünfzig Jahre weitgehend bestimmt durch Texte von Huub Oosterhuis (1933) und durch ‹seine› Komponisten: Bernard Huijbers (1922–2003), Tom Löwenthal (1954) und Antoine Oomen (1945). Huub Oosterhuis, Dichter, Priester, ehemaliger Jesuit, ist seit 1960 als liturgischer Textdichter verbunden mit der Amsterdamer Studentenekklesia, einer ursprünglich katholischen Studentengemeinde. Seit er 1958 sein erstes Kirchenlied schrieb – das auch ins Deutsche übersetzte Zolang er mensen zijn op aarde (Solang es Menschen gibt auf Erden, GL 300 - EG 427) – ist aus seiner Zusammenarbeit mit genannten Komponisten ein Œuvre entstanden von mehr als sechshundert Werken: strophische und freie Lieder, Wechselgesänge, Kanons, gesungene Gebete, Fürbitten und eucharistische ‹Tafelgebete› (Tischgebete, Hochgebete), ganze Liturgien und eine Reihe Oratorien, Requiems und Passionen.
Die verschiedenen (semi-)offiziellen Liedersammlungen für die katholische Liturgie in den Niederlanden bestehen heute zu einem Drittel bis über die Hälfte aus Liedern von Oosterhuis. Im 1970 erschienenen protestantischen Liedboek voor de Kerken wurden damals schon zwölf seiner Gesänge aufgenommen, in jüngeren protestantischen Sammlungen mehrere Dutzend. 2006 wurde Oosterhuis' De steppe zal bloeien (Die Steppe wird blühen) von den Zuhörern des Hörfunkprogramms Te Deum Laudamus zum 'schönsten Kirchenlied' erwählt - zwei andere seiner Lieder erreichten die dritte respektive siebte Stelle.
Auch in Deutschland sind einige (ältere) Lieder in katholische und evangelische Gesangbücher aufgenommen. Das wohl bekannteste Lied ist das schlichte Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr (GL 621 – EG 382). Möge diese Webseite und das März 2009 erschienene Buch Du Atem meiner Lieder zu einer größeren Bekanntheit im deutschen Sprachgebiet führen.
